Neulich in der Essener Phoenix-Sauna. Ein HIV-positiver Mann steht mitten im Getümmel der Dampfsauna. Viele Hände zugleich kümmern sich um ihn, davor kniet ein Mann auf den Fliesen, und bläst, was immer ihm in den Weg kommt. Der Mann in der Mitte fühlt sich wohl, weil alle um ihn herum freundlicherweise gerade nur an seinem Wohlbefinden interessiert sind und natürlich daran, dass er kommt. Den Gefallen tut er ihnen auch. Beim Abspritzen merkt er, wie der Kniende versucht, das Sperma mit dem Mund aufzufangen …
Bin ich verantwortlich für einen mir Unbekannten, der ein Risiko auf sich nimmt? Oder kann ich annehmen, dass er weiß, was er tut, und das es entsprechend seine Entscheidung ist. Er könnte nicht aufgeklärt genug sein, oder er verdrängt die mögliche Gefährdung. Vielleicht aber ist er auch positiv, und da ist es dann eben kein Risiko mehr für ihn. Bin ich aus dem Schneider, wenn ich einfach der These folge, dass jeder zunächst einmal für sich selbst verantwortlich ist, und entsprechend auch das Recht hat, sich für eine Risikosituation zu entscheiden? Oder muss ich so fürsorglich sein, dass ich dem anderen unter allen Umständen mein Sperma vorenthalte? Und hieße die Konsequenz daraus auch, eben solche Situationen wie eben beschrieben zu meiden?
Doch wie realistisch ist das? Jeder kennt beim Safer Sex den „Blasen-ok-raus-bevor-es-kommt-Warnhinweis“, ein gestöhntes „Ich komme!“ oder „Vorsicht“, die Geste der Hände dazu, die signalisiert: zieh deinen Kopf zurück. Der andere bleibt aber an der Position, bläst weiter. Am „Point of no return“ bleiben einem nicht mehr viele Möglichkeiten: Ein unglückliches Geruckel und Wegziehen oder es Geschehen lassen. Beides zerstört die Situation und hinterlässt ein schlechtes Gefühl.