Fernes Land, große Stadt. Madonna verlangt ständig „Give it 2 Me“ von mir. In der einschlägigen Disco ist wie üblich das Interesse der einheimischen Männer an den blassen Touristen groß. Jetlag und der Gin Tonic im äußerst großzügigen Alkohol/Softdrink-Mischungsverhältnis hüllen mich in ein watteweiches Wohlgefühl. Ich bin jetzt bereit, es Madonna zu geben und folge ihr auf die Tanzfläche.

Einer der interessierten Männer flirtet intensiver mit mir als die anderen, nähert sich, ein wenig Smalltalk zwischen Bass, Beat und Refrain, ein wenig Körperkontakt im Takt. Mit seinen Fingern formt er ein Zeichen, das ich nicht sofort erkenne. Es ist ein Buchstabe, ein H. „Are you HIV?“ fragt er. Ich nicke, völlig überrumpelt von der Frage. Meine Stimmung rauscht rasend schnell in dunkle Abgründe. Wie kann er es wagen, mir an diesem Ort in diesem Moment solch eine Frage zu stellen? Mir schießen Tränen in die Augen. Er umarmt mich, sagt in seiner Sprache den Satz, der übersetzt: „Macht nichts“ lautet.

Übermüdung und Trunkenheit sind eine Erklärung für diese emotionale Reaktion, sicherlich. Noch mehr sagt es aber aus über meine Haltung gegenüber der Infektion. Selbstbewusste Gelassenheit lernen, steht auf meiner to do-Liste.